Was Gewerbestrom vom Privattarif unterscheidet
Gewerbestrom ist kein eigener gesetzlicher Tarif, sondern eine Bezeichnung für Stromtarife, die auf Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler zugeschnitten sind. Der wesentliche Unterschied liegt in der Kalkulation: Anbieter berücksichtigen bei Gewerbekunden oft ein anderes, teils gewerbetypisches Verbrauchsprofil und bieten dafür meist einen niedrigeren Arbeitspreis, wenn der Jahresverbrauch entsprechend hoch ist. Vertragsdetails wie Rechnungsstellung an die Firmenadresse oder Zahlung per Lastschrift vom Geschäftskonto gehören ebenfalls dazu.
Voraussetzungen für den SLP-Gewerbetarif
Die meisten kleinen Betriebe – ob Praxis, Café oder Handwerksbetrieb – fallen unter das sogenannte Standardlastprofil (SLP), solange der Jahresverbrauch unter etwa 100.000 Kilowattstunden liegt. Für den SLP-Gewerbetarif brauchst du in der Regel: eine Gewerbeanmeldung oder einen entsprechenden Nachweis der selbstständigen Tätigkeit, die Zählernummer und den bisherigen Jahresverbrauch der Betriebsstätte sowie die Kontodaten des Unternehmens für die Lastschrift. Ein separater Zähler für die Betriebsstätte ist Voraussetzung, wenn Gewerbe und Wohnung sich einen gemeinsamen Hausanschluss teilen, muss meist eine trennbare Messung vorliegen. Oberhalb der SLP-Grenze wird der Verbrauch über eine registrierende Leistungsmessung erfasst, das betrifft die meisten kleinen Betriebe aber nicht. Praxen mit medizintechnischen Großgeräten oder Cafés mit leistungsstarker Küchentechnik sollten ihren tatsächlichen Jahresverbrauch vorab anhand der letzten Abrechnung prüfen, um sicherzugehen, dass sie tatsächlich im SLP-Bereich bleiben.
Worauf kleine Betriebe beim Vergleich achten sollten
Neben dem reinen Arbeitspreis lohnt sich ein Blick auf die Vertragslaufzeit: Viele Gewerbetarife laufen zwölf oder 24 Monate, danach verlängern sie sich automatisch, wenn nicht gekündigt wird. Für Betriebe mit schwankendem Verbrauch – etwa ein Café mit saisonalem Geschäft – kann eine kürzere Laufzeit sinnvoller sein als ein vermeintlich günstigerer Zwei-Jahres-Vertrag. Auch die Höhe der Grundgebühr spielt bei kleineren Betrieben eine größere Rolle als bei Privathaushalten, weil sie prozentual stärker ins Gewicht fällt. Wer mehrere Standorte betreibt, etwa mehrere Praxisräume oder Filialen, sollte zudem prüfen, ob der Anbieter eine gebündelte Abrechnung für mehrere Verbrauchsstellen anbietet.
Vertragslaufzeit und Bonität
Gewerbekunden werden vor Vertragsabschluss häufiger einer Bonitätsprüfung unterzogen als Privatkunden, weil Anbieter das Ausfallrisiko bei Unternehmen individueller einschätzen. Neu gegründete Betriebe ohne Umsatzhistorie erhalten deshalb nicht immer sofort den günstigsten verfügbaren Tarif, sondern müssen unter Umständen eine Vorauskasse oder Kaution leisten. Mit wachsender Betriebsdauer und stabiler Zahlungshistorie verbessern sich die Konditionen in der Regel automatisch bei der nächsten Vertragsverlängerung. Wer unsicher ist, ob die eigene Bonität ausreicht, kann das im Rahmen einer unverbindlichen Anfrage vorab klären lassen, ohne sich bereits zu binden.
Beispielrechnung: kleiner Handwerksbetrieb
Nimm einen Handwerksbetrieb mit 12.000 kWh Jahresverbrauch, der noch in der teuren Ersatzversorgung steckt. Beispielhaft angenommen: Die Ersatzversorgung kostet 42 Cent/kWh, macht 5.040 Euro im Jahr. Ein passender Gewerbetarif mit 27 Cent/kWh käme auf 3.240 Euro im Jahr – eine Ersparnis von 1.800 Euro. Bei kleineren Betrieben mit geringerem Verbrauch fällt die absolute Ersparnis niedriger aus, prozentual bleibt der Unterschied aber oft ähnlich hoch. Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel, keine realen Anbieterpreise – individuelle Konditionen für dein Unternehmen erhältst du über die Gewerbestrom-Anfrage.
Für wen sich ein Wechsel besonders lohnt
- Betriebe, die noch nie aktiv verglichen haben oder in der Grund- beziehungsweise Ersatzversorgung stecken,
- Praxen, Cafés und Handwerksbetriebe mit einem Jahresverbrauch ab etwa 5.000 Kilowattstunden,
- Unternehmen mit mehreren Standorten, die von einer gebündelten Abrechnung profitieren könnten.
Weniger dringend ist ein Wechsel, wenn dein aktueller Vertrag erst kürzlich abgeschlossen wurde und eine lange Kündigungsfrist hat – hier lohnt es sich, den Vertragsablauf im Kalender zu notieren. Setz dir am besten schon jetzt eine Erinnerung für den Zeitpunkt, ab dem eine Kündigung wieder möglich ist, damit dir die günstigsten Konditionen am Markt nicht durch eine automatische Vertragsverlängerung entgehen.
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